Montag, 2. Februar 2015

Medical Training

Für unsere Haustiere ist ein Tierarztbesuch leider oft Stress pur: in der Praxis riecht es fremd, die Böden sind rutschig, das Licht ist grell und fremde Leute fassen sie an. Dabei können wir Tierhalter unsere Hunde und Katzen sehr gut auf den Tierarztbesuch vorbereiten!

Berührungen am ganzen Körper

Wird dem Hund beigebracht, was ihn erwartet, nimmt ihm dies die Angst. Denn wird er von mehreren Personen festgehalten, gibt ihm das das Gefühl, dass er nicht aus der Situation entfliehen kann, was wiederum zu Panik führt. Hat der Hund nun aber über eine positive Trainingsmethode gelernt, was ihn erwartet, gibt ihm das das Gefühl, die Situation durch sein Verhalten beeinflussen zu können. 

in Seitenlage festgehalten werden

Ein weiterer positiver Aspekt ist es, dass der Tierhalter durch das zusätzliche Training Veränderungen schneller bemerkt, so dass tendenziell früher eine Therapie eingeleitet werden kann. 

Berührungen an den Beinen und Pfoten
Beugen und Strecken der Gelenke

Beim Medical Training macht man sich zu Nutze, dass Tiere - gerade in für sie beängstigenden Situationen - für Informationen arbeiten. Wird dem Hund also gesagt, was ihn jetzt gleich erwartet ("Berührung!" / "Thermometer!" / "Spritze!"...), wirken diese Informationen gleich schon als Belohnung, vorausgesetzt, der Hund kennt diese Wörter! Leckerchen folgen natürlich trotzdem!

Umfassen der Schnauze als Vorübung zum Maulöffnen

Meiner Meinung nach, ist das allerwichtigste beim Medical Training, dass ausschliesslich mit positiver Verstärkung gearbeitet, denn Gefühle werden mitgelernt! Fühlt sich der Hund beim Training durchgehend wohl, wird dieses positive Gefühl mit dem gelernten Verhalten verknüpft. Als Tipp: wird das ganze vom Menschen als lustiges Tricktraining angesehen, wird oft sehr spielerischer trainiert. 


in die Ohren schauen

Noch wichtiger als sonst, ist es, in aller kleinsten Mini-Schritten vorzugehen. Der Hund sollte sich die ganze Zeit über so wohl fühlen, dass er gar nicht erst auf Idee kommt, Berührungen abzuwehren. So wird zum Beispiel mit einer kurzen und sanften Berührung im Brustbereich begonnen, bevor dann nach vielen, vielen Trainingseinheiten in eine Hautfalte gekniffen werden kann, um eine Impfung zu simulieren. 

Kneifen in Hautfalten

Bei den Übungen ist der Fantasie keine Grenzen gesetzt. So gibt es einerseits "aktive" Verhalten des Hundes, wie:
  • auf der Seite liegen,
  • den Bauch zeigen,
  • in der Bewegung einfrieren,
  • Kinntarget,
  • die Pfoten geben, um sich die Krallen kürzen zu lassen oder für die Blutentnahme, 
  • das Maul öffnen oder
  • Medikamente einnehmen

als auch Wörter, die den Hund über das Prozedere informieren, wie z.B.:
  • hochgehoben / getragen werden,
  • Berührungen am ganzen Körper (inklusive der Ballen!),
  • Zähne anschauen / Zähne putzen, 
  • Maulöffnen,
  • Maulkorb tragen,
  • in die Ohren schauen / Ohren reinigen / Ohrmittel ins Ohr spritzen, 
  • Manipulationen im Augenbereich, 
  • Temperatur messen, 
  • Spritze geben,
  • mit der Zeckenzange herumhantieren oder
  • Rasieren (gerade für geräuschempfindliche Hunde!). 

Kinntarget: Zingara stützt ihren Kopf in meiner Hand ab und ist "parkiert",
so dass andere an ihr herumwerkeln können (bei uns anstatt Freeze).

Sobald man sich 100%ig sicher ist, dass der Hund die Wörter gut kennt, sollte das Verhalten generalisiert werden. Am Schluss soll der Hund es ja in der Tierarztpraxis zeigen (was kaum funktionieren wird, wenn man ausschliesslich im Wohnzimmer geübt hat). So besteht vielleicht die Möglichkeit, auf einem Campingtisch ("Praxistisch") zu trainieren. Oder ein Bekannter führt die "Untersuchung" durch. Auch hier ist der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Von Vorteil ist es, wenn man von Anfang an auf einer bestimmten Decke trainiert, die dann auch mit in die Praxis kommt. 

Es gäbe noch so viel mehr dazu zu sagen. Ich hoffe, ich konnte es trotzdem in aller Kürze verständlich rüberbringen.

In diesem Sinne: Happy Training! Auf das unsere Tiere in Zukunft schwierige Situationen entspannt meistern können! 

Kommentare:

  1. Sehr schön erklärrt! Ja bei mir wurde sowas auch gemacht.... aber nicht alles. Ich bin immer total aufgedreht wenn es woanders hin geht, aber zu Hause mache ich das mit links ;)

    Schlabbergrüße Bonjo

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    1. Ganz ehrlich: ganz alles haben wir auch nicht trainiert.

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  2. Das ist so ein toller Beitrag. Richtig klasse. Wir haben so ein Glück, dass Socke alles mit sich machen lässt. Aber ich finde dieses Training sinnvoll und klasse. Ich werde mir diesen Beitrag auf jeden Fall nochmal ansehen und weiterempfehlen....

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Vielen Dank! Zingara lässt ja auch alles mit sich machen. Trotzdem finde ich es nur gerecht, sie jeweils "vorzuwarnen", damit sie sich geistig darauf vorbereiten kann.

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  3. Super Beitrag und mit Linda habe ich in dieser Hinsicht auch noch einiges vor. Ich denke, es ist auch für so Leute wie mich wichtig, gerate ich doch bei dem Wort Arzt (und das schließt Tierarzt mit ein) in einen Unruhezustand, der sich natürlich doppelt negativ auf das ohnehin schon abwehrige Lindanchen auswirkt. Außerdem kann man so in ungewohnten Situationen assistieren, wenn der Hund wenigstens Herrchen oder Frauchen ran lässt...

    Auch wenn ich nicht glaube, dass man aus einem Schisser einen Praxishelden machen kann, dürfte sich trotzdem vieles vereinfachen.

    LG Andrea und Linda

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    1. Das macht die Sache natürlich nicht einfacher, wenn Herrchen oder Frauchen genauso nervös sind. ;-) Der Tierarzt möchte aber auch immer nur das Beste für unsere Vierbeiner. ;-)
      Mit einem Angsthasen ist das Training sicher sehr viel intensiver, ich denke aber, dass sich auch hier sehr viel machen liesse.

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  4. Herrlicher Beitrag, Frauchen hat sich die Lektionen gerade hinter die Ohren geschrieben.
    Ich liebe meine Tierärztin über alles und sie behandelt mich immer mit pos. Verstärkung, doch ein wenig Trainig kann nie schaden (meint wenigstens mein Frauchen) hauptsache die Belohnung für mich stimmt.
    Einen herzlichen Dankenasenstups von Ayka

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    1. Vielen Dank! Zingara geht liebend gern zum Tierarzt. Nur - je älter dass ein Tier wird, desto grösser wird das Risiko, dass es auch einmal schlechte Erfahrungen macht (Narkose, sowieso schon Schmerzen, ...). Mit dem medical Training wollen wir solche Erfahrungen möglichst positiv umpolen.

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