Mittwoch, 26. Februar 2014

Gesundheit & Hundesport

Vor einigen Wochen kam in der Sonntagszeitung ein Thema, über das ich schon länger am Grübeln bin, hatte ich  letztes Jahr wegen Zingaras gesundheitlichen Problemen zu viel Zeit zum Nachdenken. Der Zeitungsartikel handelte um die gesundheitliche Belastung von Freizeitpferden im Training.

Ich gebe es zu - ich bin vom Hundesport allgemein fasziniert und doch komme ich in letzter Zeit nicht umhin, mich zu fragen, ob Hundesport aus gesundheitlicher Sicht eigentlich eine gute Idee ist...

Generell habe ich das Gefühl, dass sich alle Hundesportarten zu Hochleistungssport entwickeln, bei denen immer höher / schneller / weiter / präziser / ... gilt. Wettkampfaufgaben werden immer schwieriger und somit steigen auch die körperlichen Belastungen.  Ein Grossteil der Hunde sind aber doch "Freizeithunde", bei dem das Training die intensivte Beschäftigung der Woche ist. Die höchste Belastung findet im Training statt, denn dort werden die (schwierigen) Sequenzen oft mehrmals hintereinander wiederholt. Während eines Wettkampfes kommt dann auch noch der psychische Stress dazu (kein Wunder waren Zingara und ich nach Turnieren mit drei Läufen à 45 Sekunden abends todmüde). 

Hier landet der Hund mit seinem ganzen Gewicht
auf der rechten Pfote (und die Wirbelsäule wird
verdreht). 



Eine der bekanntesten Hundesportarten ist sicherlich Agility. Die Sportart hat sich in den letzten zwanzig Jahren unglaublich weiterentwickelt (zum Vergleich), viel schneller und wendiger als bei heutigen Spitzenleistungsteam kann es ja kaum noch werden (oder doch?!). Agility ist aber sicher auch eine Sportart, bei dem sich viele Hunde verletzen, am Häufigsten entstehen hier Schulter- (20%) und Rückenverletzungen (18%) (Levy et al., 2011). Eine Stunde Spaziergang täglich reicht eben nicht, um sich körperlich genügend auf das Training vorzubereiten. 



Man kann sich ausrechnen, mit was für einer Gewichtskraft
der Hund auf dem Boden landet...

Wenn das mal keine Rückenprobleme gibt...
















Weder Kopfhaltung noch die
raumfordernde Bewegung
der Vorderläufe sind
besonders physiologisch.




Auch körperlich weniger belastende Sportarten können gesundheitliche Probleme nach sich ziehen. Je nach Reglement wird im Obedience zehn Minuten lang das Fusslaufen bewertet. Durch den oft gewünschten Blickkontakt nimmt der Hund eine unnatürliche Körperhaltung ein. 
Der renommierte Tierarzt Zohmann hat beobachtet, dass beim Hund 80% der Vorderbeinlahmheiten auf der linken Seite sind. Er sieht die Ursache darin, dass eben die meisten Hunde traditionell auf der linken Seite des Hundeführers geführt werden (Kasper et al., 2011). 

Inzwischen habe ich sogar schon Mühe mit Hundesportarten, welche die ursprüngliche Aufgaben einer Rasse repräsentieren. Man kann es nämlich auch hier übertreiben... 

Was abrupte Richtungsänderungen  für Auswirkungen
auf die Gelenke haben?!




Regelmässig werden Schlittenhunde wegen Austrocknung
oder Kreislaufproblemen aus dem Rennen genommen.

























Andererseits stärkt das gemeinsame Training die Bindung solange der Mensch nicht zu ehrgeizig wird. Wenn man eine sportliche Aktivität findet, die zum Körper des Hundes passt, ist es für die körperliche und geistige Auslastung ist es grundsätzlich ideal. So setzt auch der Hund Glückshormone frei, wenn er eine Herausforderung erfolgreich meistert. Die Stärkung der Muskulatur hilft, eine gute Balance zu halten und die Beweglichkeit zu steigern, was wiederum das Verletzungsrisiko mindert. Ein gesunder, fitter und schlanker Hund altert tendenziell weniger schnell.

Trotzdem - ich finde es gar nicht so einfach, die richtige Balance zwischen zu viel und zu wenig Training zu finden. Zingaras Schultergelenk ist jetzt nun mal kaputt (vom Agility, vom Fusslaufen,...? Ich weiss es nicht), ich bin aber überzeugt, dass die jahrelang aufgebaute Muskulatur die Schmerzen lange Zeit in einem erträglichen Mass hielten (ist das jetzt gut oder schlecht?!). Auf der anderen Seite hätte sich Zingara auch ohne Training irgendeine Verletzung zuziehen können und im Alter wird ein gewisses Mass an Körperabnutzung so oder so sichtbar. All die intensiven Stunden, die wir zusammen verbracht haben, möchte ich eigentlich nicht missen. Und doch...

Dieser Artikel spiegelt meine persönlichen Gedanken und Erfahrungen wider. Jeder soll so viel oder so wenig Hundesport betreiben, wie er möchte. Da nicht nur der eigene Körper betroffen ist, sonder auch der des Hundes, finde ich es wichtig, dass man sich über sämtliche grundlegende Aspekte informiert. 

Referenzen

  • Birch E., Lesniak K., 2013: Effect of fence height on joint angles of agility dogs. Vet J 198, 99 - 102.
  • Kasper M., Zohmann A. Knafl P., Tacke, S., 2011: Ganzheitliche Schmerztherapie für Hund und Katze. 2. aktualisierte Auflage. Sonntag-Verlag.
  • Levy I., Hall C., Trentacosta N., Percival M., 2009: A preliminary retrospective survey of injuries occurring in dogs participating in canine agility. Vet Comp Orthop Traumatol 4, 321 - 324.
  • Pfau T., Garland de Rivaz A., Brighton S., Weller R., 2011: Kinetics of jump landing in agility dogs. Vet J 190, 278 - 283. 

Kommentare:

  1. Oh je, da hast Du jetzt meinen Nerv getroffen. Habe gerade den Zeitungsartikel gelesen und er spricht mir natürlich aus der Seele. Was da abläuft, kann man sich nicht vorstellen und betrifft bei weitem natürlich nicht nur Springpferde. Im Freizeitbereich (und auch dazu gehört Sportreiterei) haben die Reiter in der Regel von nix ne Ahnung. Hört sich jetzt krass an und ist es auch. Trainingslehre, Lerntheorie, Fütterung und Haltung - Fehlanzeige und wenn möglich, alles billig und schnell. Die Rechnung zahlt immer das Pferd, die, die sich wehren, genauso wie die, die alles still erdulden. Meine reiterliche "Karriere" hat natürlich auch nicht mit dem Wissen angefangen, welches ich heute besitze, aber ich wollte es immer besser machen. Jetzt bin ich eigentlich nur noch froh, dass ich mit diesem "Geschäft" abgeschlossen habe!!!

    Ich kann mir gut vorstellen, dass das im Hundesport nicht viel anders zugeht, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die sich wirklich mit der Materie auseinandersetzen. Allerdings sitzt hier zu allem Übel nicht noch ein Mensch auf dem Rücken des Hundes.

    Ich habe nichts gegen Sport, aber die Grundlagen müssen stimmen und der persönliche Ehrgeiz sollte nicht zu Lasten des Hundes/Tieres gehen (da fängt es ja schon an, schwierig zu werden). Ich denke immer, wenn man schon gerne einen Hochleistungsathleten sein eigen nennen will, dann sollte man ihn bitt schön auch so behandeln, umsorgen, hegen und pflegen...

    Toll geschrieben und im Prinzip bin ich ganz Deiner Meinung. Danke für den Artikel...

    LG Andrea und Linda

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    1. Vielen lieben Dank!
      Ganz ehrlich, ich hatte anfangs auch überhaupt keine Ahnung von Lerntheorie und Trainingslehre, hatte dafür aber das grosse Glück - zufälligerweise - bei fortschrittlichen Trainern zu landen.
      Wenn ich sehe, wie einige Hundeführer mit ihren Hunden umgehen, werde ich einfach nur wütend. Dabei geht es im Pferdesport wahrscheinlich noch um einiges schlimmer zu.

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  2. Wir gratulieren dir zu dem fundierten und gut geschriebenen Artikel. Frau ist beesonders dankbar dass du das einmal angesprochen hast. Natürlich muss Bewegung und Aktion sein und das gemeinsame Tun tut echt gut. Aber bitte mit Augenmass, wie war das da noch gleich "es ist alles eine Frage der Dosierung". Wir selber plädieren für mehr Kreativität und Kontinuität im Alltag und weniger aufgesetzten Sport.
    Im Wissen, dass wir von vielen als Banausen angesehen werden, weil wir vorhandene Fähigeiten nicht voll ausreizen.
    Du sprichst es jedoch an "Balance" ist wohl das Zauberwort und nicht "Extreme Leistung" ja sogar "Spitzenleistung". Die Balance zu halten und immer wieder zu hinterfragen ist mitunter wohl auch das Anspruchsvollste.
    Gute gemeinsame Zeit wünschen euch
    Ayka und Erika

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    1. Herzlichen Dank für euren Kommentar!
      Die Balance zu finden ist eben gar nicht so einfach. Prinzipiell habe ich auch nichts gegen Spitzenhundesport, so lange man sich sehr fundiert mit sämtlichen dazugehörigen Aspekten auseinandersetzt, damit man seinen Hund nicht innert kürzester Zeit kaputt trainiert.

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